Auf nichts Unumstößliches stoßen Leserinnen und Leser in diesem Blog. Alles ist Überlegung, nichts Überlegenheit. Standpunkte sind springende Punkte und Punktlandungen selten.
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Sonntag, 20. Januar 2013

Notizen zum Thema Inklusion - Nr. 2

V. und ich waren auf dem Tempelhofer Feld spazieren. Ein Mann kam uns entgegen, der Unterschriften für den Erhalt des Tempelhofer Feldes als Freifläche sammelte. Ich hielt den Rollstuhl an und blieb mit V. stehen, weil ich unterschreiben wollte, er indes beschleunigte seinen Gang, als er uns stehen und mich in seine Richtung blicken sah, und eilte an uns vorüber. Dem Umstand, dass andere Spaziergänger unterschrieben und ihn in ein Gespräch verwickelten, sei Dank, dass ich den Unterschriftensammler noch erreichen konnte, nachdem ich V. nebst seinem Rollstuhl gewendet hatte. Er schien meine Gedanken zu erraten und sagte mit dem Kopf in V.s Richtung nickend, er sei sich nicht sicher gewesen, ob wir unterschreiben wollen. Ich verkniff mir die Fragen, was er denn gedacht habe, warum ich stehen geblieben sei, und vor allem, warum wir. Dass V. nicht einen Stift halten und unterschreiben kann, sieht ein Blinder. Na ja, ein Blinder halt, der könnte sehen. Eine dritte Frage allerdings verkniff ich mir nicht, nämlich die, ob ich zwei Mal unterschreiben dürfe, einmal für mich und einmal für V., der das trotz Volljährigkeit nicht selbst kann. Die Antwort war ein unmissverständliches Nein.

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