Auf nichts Unumstößliches stößt der geneigte Leser in diesem Blog. Alles ist Überlegung, nichts Überlegenheit. Standpunkte sind springende Punkte und Punktlandungen selten.
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Samstag, 16. April 2016

Notizen zum Thema Inklusion - Nr. 7

Zweimal wöchentlich durchquere ich mit Z. auf dem Weg zu ihr nach Hause eine kleine parkähnliche Anlage. Der Weg ist etwas länger als der, der direkt an der Straße verläuft, und Verfechter der Wirtschaftlichkeit würden ihn wohl einen Umweg nennen, wir aber planen einfach etwas mehr Zeit ein, weil es an der Straße unerfreulich laut ist, und denken uns nichts Großartiges dabei – Kleinböses übrigens auch nicht. Zu denken indes gab mir neulich ein Mädchen, das plötzlich auf uns zu gerannt kam und sich an mich wandte. „Ich habe Sie hier schon ganz oft gesehen“, rief es, „und will Ihnen jetzt endlich mal sagen, dass ich Sie sehr mutig finde!“ Weiter erzählte das Kind, dass es auch schon mal in so einem Projekt mit Behinderten mitgemacht habe und es ganz toll finde, sich um Behinderte zu kümmern. So weit, so gut. Ich habe das Mädchen noch ein wenig nach diesem Projekt befragt, dann trennten sich unsere Wege. Nun die Denkaufgabe: Was für eine Gesellschaft ist das, in der wir leben, wenn sogar ein Kind, das offenbar in einem Umfeld aufwächst, welches tolerant gegenüber Andersartigkeit jedweder Art ist, es für mutig hält, sich in Begleitung eines sichtbar schwer behinderten Menschen in der Öffentlichkeit zu zeigen? Wie weit ist es noch zur Inklusion?

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